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Haiti
Als mein treuer Leser wissen Sie, dass ich nie weit zu gehen brauche, um Beflügelndes zu erleben, sondern dass ich, direkt vor meinem Türmli ( http://www.swissfot.ch/
htm_public_d/basis/Presse-
Mein_Tuermli.htm ), nur die
Augen
öffnen muss, jeden Tag. Hier geniesse ich jeden Abend das gleiche,
unglaubliche Spektakel, das ich jetzt schildern will. Ich tat dies
deshalb
nicht früher, weil ich immer hoffte, eines Tages eine
Erklärung für das Unerklärliche zu finden. Dies war nicht der Fall,
vielleicht kennt ein Leser
eine solche.
Als "Vogelzug"
bezeichnet man sich jahreszeitlich wiederholende Flüge von Vögeln, zum
Beispiel von den Brutgebieten zu den Winterquartieren,
oft
tausende von Kilometern weit, und wieder zurück. Es gibt auch
"Strichvögel", die in ungünstigen Jahreszeiten ihr Brutgebiet ebenfalls
verlassen, aber nicht so weite Wanderungen unternehmen. Und
endlich die "Standvögel", die während des ganzen Jahres an ihrem Ort
bleiben.
Hier vor dem Türmli beobachte ich Vögel, die sich nicht
in Schubladen einordnen lassen. Man könnte sie einfach "Wandervögel"
nennen. Sie wandern ebenfalls rhythmisch hin und her, aber jeden Tag zwischen ihren Schlafbäumen und ihren Tagesquartieren. Ihr Tagesquartier ist die Küstenebene.
Hier
halten sich je zwei bis fünf "Krab" ( kreolisch, kein Plural ) in
nächster Nähe der Küstenkühe auf, wo sie Insekten in reicher Auswahl
finden. Die Kühe und
Ochsen mögen die Insektenpicker und dulden
sie auch gern auf dem Rücken.
Die schneeweissen Kuhreiher sind
ehemalige Afrikaner wie die schwarzen Haïtianer auch. Wie diese
vor 4-500 Jahren überquerten die Kuhreiher einmalig den Atlantik, aber
vor 70-80 Jahren und aus freien Stücken, und siedelten sich in
Südamerika und auf den karibischen Inseln an. Diese tierische Migration
war eher mit einer Völkerwanderung vergleichbar als mit einem saisonalen Vogelzug.
Etwa
gleichzeitig wenn sich die Wirtskühe zur Ruhe legen, fliegen Myriaden
von Krabs mit dem Wind bei Ostwind von Osten her kommend, bei
Westwind von Westen herfliegend der Küste entlang soweit man sieht, die
Vögel unten in der Küstenebene steigen auf und fliegen mit.
So
sammelt der Kollektivzug scheinbar alle Artgenossen zusammen und wird
immer grösser. Es sind Millionen von Reihern, die in Gruppen von
30-50 in raschem Ruderflug, mit S-förmig verbogenem Hals und
vorgestrecktem, spitzem Schnabel, vorbeiziehen, zielstrebig und
pausenlos, viele Kilometer weit. An irgendeinem unbekannten Ort
lassen sie sich in grossen Kolonien auf Schlafbäume nieder.
Einmal im
Osten und einmal im Westen wählen ihr Bett wie der Wind gerade weht. Auf dem Hinflug stets mit dem Wind, auf dem Rückflug auch gegen den Wind.
Sie brauchen keine Schlaftabletten mehr.
"Granmatin"
in der Morgendämmerung, lange vor Sonnenaufgang, geht die Wanderung
wieder zurück zu den Wirtskühen, mit denen sie den
Tag verbringen.
Falls über Nacht die Windrichtung gewechselt hat, dann eben gegen den
Wind.
In der Schweiz verfügt man über Fussringe und Radiosender,
um
Vogelwanderungen zu erforschen. Hier in Haïti muss man Solches
vergessen. Es gibt ja nicht einmal Bestimmungsbücher, und selbst die Namen der Vögel sind unsicher. "Vogel Krab" würde man auch in keinem Dictionnaire oder Medium auf dem Erdball finden.
Auch bei den Menschen gibt es verschiedene Vogeltypen, ich meine natürlich in bezug auf das Wanderverhalten.
Da gibt es die Krab-Typen, die vielleicht Kontrolle nicht mögen oder sonstwie kein Sitzleder haben, die Pendler zwischen Stadtwohnung und Ferienhaus oder die Polygamen, die ihre Absteigen verstecken.
Und, je nachdem wie der Wind weht, flattern sie manchmal auch dagegen.
Es gibt die menschlichen Zugvögel mit ihren zwei Saisonheimen, etwa auf der Insel oder in Thailand, oder die Strichvögel, denen Ibiza oder Majorca reicht, und die Wandervögel, die immer was suchen, sie wissen selbst nicht was, und es nie finden. Es hat wohl immer mit Glück zu tun, sie kommen nicht zur Ruhe, nie und nirgends.
Und die Standvögel, die gibt es auch. Sie verabscheuen fremde Betten, meiden jedes Hotel, fahren nie in die Hauptstadt, bleiben am liebsten zuhaus, im eigenen Bett. Reisen und Wandern ist bschwerlich, und gefährlich.
Man muss sich nicht bei Fremden exponieren und riskiert keine Diebe. Man kann ja in der Stammbeiz jassen und kegeln,und zudem gibt es das Fernsehen, das reicht und ist am billigsten.
In meinem Türmli habe ich zwar kein Fernsehen, aber das Internet und das Live-Kino mit den Bauern oder den Strand-Vögeln,
werde ich da noch zum Standvogel ?
( Mehr:
http://www.swissfot.ch/
htm_public_d/Basis/Presse-
Voegel.htm Sie fliegen kilometerweit ins Bett
Siehe auch:
http://www.swissfot.ch/
htm_public_d/Basis/Presse-
Kuestenebene.htm Spekulanten beschleunigen den Hungertod
http://www.swissfot.ch/
htm_public_d/Basis/Presse-
Bauernaufstand.htm Die Bauern proben den Aufstand
http://www.swissfot.ch/
htm_public_d/Basis/
artikel_datum.htm Andere Artikel )
von Otto Hegnauer, http://www.swissfot.ch Swissfot ( in Haïti )
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